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Clinton Callahan

Wahre Liebe im Alltag ist ein extrem persönliches Werk. Es war persönlich für mich, es zu schreiben, und von anderen höre ich, dass es extrem persönlich ist, es zu lesen. Leidenschaftliche Klarheit zwang die Worte in ihre Reihenfolge, angetrieben durch rotglühende Wut über das völlige Fehlen dieser Kenntnis in unserer Kultur. Während des Schreibens rannen oft Tränen meine Wangen hinunter. Und viele Ideen waren beinahe zu beängstigend für mich, um zu riskieren, sie zu äußern.  

Ich glaube, dass jetzt extrem persönliche Arbeit erforderlich ist, eine direkte und aufrichtige Konfrontation mit dem Zustand unserer Unfähigkeit, in Beziehung zu sein, zu kommunizieren, zuzuhören und miteinander zu sein. Wie können wir ohne eine entschlossene Laseruntersuchung dessen, was wir gegenwärtig in unseren Beziehungen erzeugen, darauf hoffen, irgendetwas anderes zu erzeugen?

Jede Idee in diesem Buch wurde hart verdient, durch Erfahrung aus erster Hand, verbunden mit vielen Misserfolgen und Fehlern. Einige von euch, die dieses Buch lesen, waren in diesen Momenten dabei, als ein Stück Klarheit destilliert wurde. Ich danke euch für eure Mitarbeit. In diesen Momenten mit euch zusammen zu sein, zu entdecken, wie Dinge funktionieren und was nicht funktioniert, das sind Höhepunkte in meinem Leben.

Ich erzähle Ihnen eine Geschichte. Es war die Nacht, in der ich die erste Versteckte Absicht meines unverantwortlichen Selbsts (meines Gremlins) entdeckte. Es erscheint in der Erzählung vielleicht nicht wie ein Höhepunkt, aber es war ein Schritt, der getan werden musste, um in der Lage zu sein, Menschen irgendetwas von Wert anzubieten. Und es war ein wesentlicher Bestandteil meines persönlichen Übertritts ins Erwachsenenalter.

Ich lebte in Frankreich und leitete zusammen mit meiner damaligen Frau ein spirituelles Zentrum. Es war Sonntagabend gegen halb zehn, Anfang des Winters, Dezember 1998, eine frostige, regnerische Nacht. Gewöhnlich war es Zeit, ins Bett zu gehen, aber ich hatte gerade einiges an Feedback über einen Aspekt meines Verhaltens bekommen, welches sich selbst nach wiederholten Hinweisen nicht geändert hatte. Es traf mich plötzlich wie ein Blitz, dass eine Veränderung absolut hoffnungslos war, solange ich die Ursache meines Verhaltens nicht kenne.

Meine Unkenntnis machte mich verrückt. Ich war so frustriert, dass ich nicht länger drinnen, in dem alten französischen Farmhaus bleiben konnte. Also griff ich nach meiner Jacke und einem Schlafsack und dachte, ich würde draußen in der Scheune übernachten, doch selbst dort konnte ich nicht aufhören, herumzulaufen. Ich ließ den Schlafsack fallen und ging in mondloser Nacht die lange, steinige Auffahrt entlang, dann weiter auf der kurvenreichen, gepflasterten Straße an kleinen Bauernhöfen vorbei, während kalter Nieselregen von den blätterlosen Bäumen tropfte und mein Gesicht traf. 

Irgendeine unsichtbare Absicht war mein Leben lang schon am Werk und produzierte Ergebnisse, hinter einem Vorhang, den ich nicht öffnen konnte, und ich brauchte ihn offen. Solange ich mir diese Absicht nicht bewusst machen konnte, konnte ich für meine Handlungen nicht verantwortlich sein. Der Konflikt bestand darin, dass die Öffnung des Vorhangs einen Teil meines Lebens zerstören würde, einen Teil, der bislang unbewusst funktionierte. Ich könnte niemals zu meinem gewöhnlichen Leben zurückkehren, würde ich diese Kenntnis erwerben, doch ich schwor mir, diese Wanderung nicht ohne sie zu beenden. Ich würde lieber den Rest meiner Tage damit zubringen, in irgendeinem weit entlegenen französischen Dorf zu betteln, namenlos und mittellos, als weiterhin eine alberne Marionette zu sein.

Ein Hochofen wütete in mir und pumpte meine Beine vorwärts. Der größte Teil der Nacht verging, während ich zornig dahinstapfte, nass, kalt und durstig, mit riesigen Blasen an den Füßen. Meine Hüfte tat weh und jeder Schritt wurde zur Qual. Ein Dorf um das andere zog vorbei bis ich mich schließlich an einer Straßengabelung auf eine Leitplanke setzte, unfähig zu entscheiden, wo ich weitergehen sollte, vollkommen durchnässt. Ich verfiel in absolute Hoffnungslosigkeit. Dann teilte sich der Vorhang. In diesem Moment, erschöpft, allein in der dunklen Nacht, erkannte ich, dass ich genau die Absicht erfüllte, nach der ich gesucht hatte. Die unbewussten Machenschaften dieser Absicht hatten jede meiner Handlungen schonungslos verbogen, so dass ihre Vorgaben erfüllt wurden, denn diese Absicht war normal für mich seit ich ein Jahr alt war und in meinem Kinderbett allein gelassen wurde und dachte, ich würde sterben. Ich hatte geschrieen und geschrieen, aber niemand kam, niemanden kümmerte es.

Wenn ich diesen Moment in dem Kinderbettchen überleben sollte, dann mussten viele subtile Systeme zumachen. Ich musste sanftere Wünsche, Bedürfnisse nach Fülle des Herzens und seelischer Nähe aufgeben. Wenn ich diesen Moment in dem Kinderbett überleben sollte, dann nur, indem ich meinen Überlebenskampf ganz alleine bewältige. Das Überleben wurde zu meinem grundlegenden Zweck meines Lebens, zu der Sache, die ich tun konnte, zu der Sache, die insgeheim meinen Standard der Normalität definierte, zum Ergebnis all meiner Anstrengungen. Ich beschloss, für immer in einer Form des Überlebens zu bleiben. Ich wurde zu einem Überlebenshelden. Das war meine Versteckte Absicht. In meinem Leben ging es um das Überleben. Alles, was davon abwich, im Überlebenskampf zu sein, konnte nicht mein Leben sein. 

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Clinton Callahan

Langsam kam ich wieder auf die Füße und humpelte in Richtung des nächstgelegenen Dorfes, ein paar Kilometer weiter. An der Rückseite eines Klosters fand ich ein kleines Gebäude, in welchem sich ein Heizofen befand. Zum Glück war die Tür unverschlossen. Ich ließ mich selbst ein und brach im Licht des Ofens auf dem staubigen Zementboden zusammen. Etwa eine Stunde später hellte die Sonne den grauen Himmel soweit auf, dass ich meinen Freund Thomas anrufen konnte, um ihn zu bitten, mich abzuholen.  

Es brauchte Monate, um diese Erfahrung zu verdauen. Ich konnte niemandem erklären, was passiert war. Ich konnte es auf keine lineare Art und Weise herausfinden. Aber durch diesen grimmigen, inneren Unterweltkampf konnte ich zwischen Niederem Drama und Hohem Drama unterscheiden, den Gremlin und seine Versteckte Absicht definieren, die gesamte Landkarte der Möglichkeit – die zentrale Landkarte im Possibility Management – enthüllen, und ich konnte intellektuell und auf Erfahrung beruhend zwischen gewöhnlicher, außergewöhnlicher und archetypischer Beziehung unterscheiden, welches die Basis des Buches Wahre Liebe im Alltag ist.